Archiv des Monats “Februar 2019

The Magic Moment – Von Polaroid lernen

„Klack – surrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr klick“ macht meine Polaroid SX70 alpha1 und dann heißt es warten, bangen, überraschen lassen. Auch in Zeiten von Instagram, Smartphone und digitaler Bildbearbeitung ist es nach wie vor ein „Magic Moment“ wenn das Sofortbild sich entwickelt. Es entsteht ein Unikat, eine kleine fotografische Skulptur, eine lichtempfindliche Zeitkapsel des Moments. Der Entwicklungsprozess heutiger Polaroid-Sofortbilder dauert heute ganze 10-15 Minuten (früher gab es Verfahren die in weniger als einer Minute ausentwickelt werden konnten). Genug Zeit also, um sich mal ein paar Gedanken darüber zu machen, warum das analoge Medium auch heute noch so gut in unser digitales Zeitalter passt. 

Stay Focused

Das Sofortbild führt uns nahezu automatisch hinaus aus der digitalen Bilderflut hin zu dem einzelnen besonderen Moment. Denn statt Masse besinnt man sich angesichts des stolzen pro Bild Preises auf das, was man wirklich fotografieren will. Zum Vergleich: Mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera bekomme ich an die 4000 raw-Bilder auf meine 128GB Speicherkarte. Eine Polaroidfilmkassette enthält heute acht Sofortbilder (früher: 10). Das bedeutet, wenn ich mit meiner Polaroid unterwegs bin schaue ich durchaus an die 100 Mal durch den Sucher, aber nur achtmal drücke ich tatsächlich den Auslöser.   

Von der Sofortbild- zur persönlichen Entwicklung

„An artist teaches the painting. The painting teaches him.“ (Edwin H. Land)

Edwin H. Land – Erfinder der Polaroids- wusste sein Produkt von Beginn an gut zu vermarkten. Es war mehr als eine Kamera, es war eine Revolution, es war die kreative Entfesselung und zugleich Fixierung des Moments. 

Heute sind wir es gewöhnt mittels digitaler Kameras sofort das Foto im Kontext seiner Entstehung zu betrachten – damals war diese Direktheit eine Sensation. Es ermöglichte eine Reflexion des Moments: Die Fotografie und das fotografierte Objekt vergleichend zu betrachten. In dieser Direktheit lag für den Fotografen oder Künstler (oder dem Fotografierten) die Möglichkeit direkt aus der Erfahrung zu lernen, dies lud ihn immer wieder aufs Neue zum Experimentieren mit dem Medium ein. Da der Abgleich sofort stattfindet, können unmittelbar Maßnahmen ergriffen werden um Setting, Perspektive, Motiv weiterzuentwickeln.

Und heute? Reden wir viel von agiler werden und iterativen Entstehungsprozessen und wie schwierig es ist eine solche Kultur in Unternehmen zu etablieren: explore – create – adapt.   

„Die Fotografie gibt jedem von uns die Möglichkeit der Kreativität – dies dient auch der Persönlichkeitsentfaltung“ (Isaac Asimov 1979)

Kreativität und Künstlerischer Kanon

Als ich meine ersten Polaroids mit meiner gerade ersteigerten Kamera geschossen habe erschienen nur verschwommene Geister im weißen Rahmen. Das war natürlich nicht gewollt, aber hatte in seiner Verfremdung auch einen eigenen ästhetischen Reiz. Im Grunde hat die Kamera kaum Einstellungsmöglichkeiten: Der Fokus kann ungefähr festgelegt werden, Helligkeit kann etwas nachjustiert werden. Ansonsten bleibt einem nur das Durchschauen und das Knöpfchen zum Drücken. 

Dennoch etablierte sich das Polaroid neben der Urlaubs- und Momentaufnahme auch als künstlerisches Medium. Dies nicht zuletzt auf Grund der grandiosen Strategie des Unternehmens, frühzeitig Künstler als Tester zu involvieren (das freut den UX Designer natürlich).  So wurde im Laufe der Zeit ein umfangreicher Kanon über die kreativen Möglichkeiten der Sofortbildtechnologie geschaffen. 

Das Polaroid offenbarte sich dabei zunehmend als Skulptur, denn als als fotografisches Medium. Seine Materialität und der unmittelbare, zugängliche chemikalische Entwicklungsprozess ermöglichten ein völlig neue Ausdrucksweise: zerkratzen, aufschneiden, hinterlegen, transferieren, bemalen, unterbrechen, zersetzen, bestrahlen… und immer ist am Ende der „Bilderrahmen“ gleich schon mit dabei.    

Aus diesen künstlerischen Experimenten entstanden wiederum Muster und Anleitungen für den kreativen Laien. Auf einmal konnte jeder ein „Polaroid mit doppeltem Warhol“ schießen. Das Bild-im-Bild Motiv ist dabei nur eine Inspiration, die sich aus den Polaroid-Zeiten bis ins digitale Zeitalter erhalten und weiterentwickelt hat. 

Aber das schöne am Polaroid ist, dass das Ergebnis nach wie vor nicht vollständig vorhersehbar ist. Die neuaufgelegten Filme verhalten sich meiner Erfahrung nach immer wieder anders. Ich darf mich immer wieder überraschen lassen und habe es einfach nicht immer 100% in der Hand, was am Ende aus der Klappe gerollt kommt. In diesem Loslassen vom Perfektionismus liegt für mich immer noch ein magischer Moment. In diesem Sinne: Werfen wir doch mal einen Blick auf das Bild, dass ich zu Beginn des Artikels geschossen hab…

  

Wer jetzt selbst Lust bekommen hat mit Polaroid zu experimentieren: Vom 30.03. – 31.03. organisiere ich die „Visual Coaching Days 2019“ in Karlsruhe mit. In meiner Session am Sonntag widmen wir uns dem Medium Polaroid und kreieren und verproben eigene Anleitungen zum Thema „How I would take this picture“.

Infos & Tickets unter:
https://www.eventbrite.de/e/visual-coaching-days-2019-schwerpunkt-fotocoaching-tickets-56753912480?aff=ebdssbdestsearch

 

Referenz: BEONTRA – Design einer neuen Produktgeneration

Von September 2018 – Dezember 2018 begleitete ich als UX Beraterin die Konzeptionsphase der nächsten Produktgeneration des Flughafenlogistiksystems von BEONTRA. Zu meinem Auftrag gehörte es neben der konzeptionellen und gestalterischen Unterstützung auch nachhaltig Wissen aus dem Bereich UX/ UI zu vermitteln. Das sagt die BEONTRA GmbH über unsere Zusammenarbeit:

“Als BEONTRA GmbH bieten wir webbasierte Vorhersage- und Kapazitätsanalysetools an, die speziell für die Bedürfnisse von Flughäfen und Airlines zugeschnitten sind. Der Fokus auf funktionalen Verbesserungen und besseren Vorhersageergebnissen ließ in den letzten Jahren einige User Experience & User Interface Design Aspekte in den Hintergrund rücken. Im Rahmen des Projektes unterstützte uns Anna Zinßer ideal dabei den Kunden wieder in den Fokus zu rücken! Mit ihrem unvoreingenommenen Blick und der Fähigkeit komplexe Zusammenhänge gut zu visualisieren, befähigte sie das Team die teilweise unübersichtlichen Strukturen der bestehenden Applikationen zu vereinfachen und in moderne, einfach nutzbare und visuell sehr ansprechende Konzepte sowie Prototypen umzusetzen. Dabei fügte sie sich vom ersten Tag an sehr gut in unser Team ein und die Zusammenarbeit war zu jedem Zeitpunkt großartig. Neben den konkreten Aufgaben zur Realisierung des neuen UX/UI Designs der Applikation(en), brachte Anna Zinßer sehr viele Methoden und Wissen mit, die uns als Team dauerhaft voranbringen werden.

Wir sind sehr zufrieden mit der großartigen Zusammenarbeit und dem neuen UX/UI Design, um nun eine neue Applikation entstehen zu lassen und empfehlen Anna Zinßer sehr gerne weiter!“

 

Beobachtungen aus dem agilen Sandkasten

Basierend auf meinen Beobachtungen im agilen Umfeld stelle ich fest: Die agile Organisation gestalten wir gemeinsam, egal ob Entwickler, Produkt Manager, Support Mitarbeiter, Geschäftsführer, Sales Experte… oder Designer. Ich sehe in “agil” eine Chance die Zusammenarbeit besser zu gestalten, aber geschenkt gibt es das nicht. Es reicht nicht aus neue Methoden und Prozesse einfach einzuführen und hintereinander zu schalten. Vielmehr geht es darum sich zusammenzusetzen, zuzuhören, sich auszutauschen und gemeinsam zu lernen. Wenn ich zu UX- Workshops einlade merke ich, dass hier an einem Strang gezogen wird. Denn ohne Frage, letztendlich haben alle das Ziel ein gutes Produkt zu entwickeln, dass sich am Markt behaupten kann.

Weitere Beobachtungen aus der Perspektiven einer UX Designerin habe ich in meinem Gastbeitrag für das t2informatik Blog in schriftlicher und fotografischer Form festgehalten.

https://t2informatik.de/blog/prozesse-methoden/ux-design-im-agilen-umfeld/

Referenz: ZweiAcht – das freut auch Ihren Zahnarzt

Seit Sommer 2018 unterstütze ich das Startup ZweiAcht bei Ihrer Vision eine richtig richtig gut bedienbare Praxissoftware für Zahnärzte zu entwickeln. Mit bisherigen Tools brauchen Zahnärzte und ihre Mitarbeiter*innen selbst bei einfachen Prozessschritten viel Zeit, um diese im Praxissystem abzubilden – Zeit die viel besser in die Patientenbetreuung investiert wäre. ZweiAcht arbeitet von Beginn an eng mit Nutzern zusammen, um die Informationsarchitektur des Praxissystems an deren Bedürfnisse anzupassen – nicht umgekehrt. Als UX Designerin konnte ich dabei unterstützen, dass das Entwicklerteam die Usability der iterativ entwickelten Software,  kontinuierlich im Blick behält. Das sagt ZweiAcht über unsere Zusammenarbeit:

“In unserem Projekt ist uns Benutzerfreundlichkeit ein zentrales Anliegen. Aus diesem Grund haben wir Anna (ungleich anders | anna zinßer – freie kreative, ux designerin) bereits in einer sehr frühen Phase engagiert.

Anna hat uns zuallererst mit einer Evaluation einer frühen Entwicklungsversion von ZweiAcht hinsichtlich der Bedienbarkeit unterstützt. Unter Ihrer Anleitung hat das ZweiAcht-Team ihre Ergebnisse gesichtet, priorisiert und anschließend gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeitet. Bereits dadurch konnten wir deutliche Verbesserungen der Bedienbarkeit des Produktes erzielen. Des Weiteren hat Anna uns dabei mit dem Konzept der Heuristischen Evaluierung vertraut gemacht und uns damit in die Lage versetzt, Usability-Fragestellungen selbstständig und proaktiv schon in der Entwicklung neuer Funktionalitäten mit einfließen zu lassen.

Um die gewonnen Erkenntnisse weiter zu konsolidieren hat Anna anschließend einen Style-Guide erstellt. Der Style-Guide begleitet uns seitdem als lebendes Dokument mit dessen Hilfe wir u.a. Konsistenz in unseren Benutzeroberflächen sicherstellen.

Insgesamt hat uns Anna in einer frühen Phase unseres Projektes tatkräftig dabei unterstützt das Thema Benutzerfreundlichkeit auf stabile Beine zu stellen. Dabei war unserer Zusammenarbeit immer ausgesprochen angenehm und herzlich. Dafür möchten wir uns bei Anna bedanken und empfehlen sie gerne weiter!”

Webseite: www.zweiacht.de