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7×7 – sieben Kreative, sieben Minuten

Am 28.10.2019 durfte ich mich und meine Tätigkeit als UX Designerin bei 7×7 präsentieren. Das seit 2012 bestehende Veranstaltungsformat des K3 Kultur- und Kreativwirtschaftsbüros gibt Kreativen in Karlsruhe eine Bühne vor rund 400 neugierigen Zuschauern, der Eintritt zur Abendveranstaltung ist frei.

Wie jeder der 7 Kreativen, die sich am Abend vorstellten, hatte ich 7 Minuten Zeit dem heterogenen Publikum anschaulich zu erklären, was meine Kreativtätigkeit ausmacht. Ich zeigte dazu 7 analoge Designfails, um auf humorvolle Weise zu zeigen, worauf man beim (Software-) design achten muss.

Trotz riesigem Lampenfieber war der Abend eine richtig schöne Erfahrung für mich – nicht nur weil das grandiose Publikum an den richtigen Stellen gelacht hat und ich mit (der KSC Stadionstimme) Martin Wacker auf einer Bühne stehen durfte. Auch Backstage habe ich ganz tolle Menschen kennengelernt und ich bin wieder einmal schwer beeindruckt davon, wer hier in Karlsruhe seinen kreativen Freiraum nutzt, um Dinge zu tun die er*sie von ganzem Herzen gerne macht. Vor und nach mir auf der Bühne standen:

  • Anna Sahli, Chris Herbold, Patrick Fomferra von VANORY  mit ihrer Leuchte  ‘Estelle’
  • Die Stadtfuchs(e) Dominik Stengel, Oliver Bachmann und Felix Schorn mit alten Stadtplänen und einer interaktiven App zum Erkunden von Karlsruhe.
  • Das Salontrio bestehend aus Waldemar Bischke, Raphaela Stürmer und Katrin Düringer, die musikalisch in die 20iger Jahre entführt haben.
  • Felix Kaiser von Nesto Software GmbH, wegen dem Mitarbeiter und Kunden in Restaurants glücklicher werden.
  • Der bärenstarke Cartoonist Steffen Butz.
  • Und zu guter letzt lieferte die Improtheatergruppe FEM Fatale (Fabian Leven, Ekrem Emre, Manuel Speck) auf den Punkt eine perfekte Zusammenfassung des Abends – Lachtränen inklusive.

Vielen Dank für den schönen Abend und die tollen Gespräche!

 

The Magic Moment – Von Polaroid lernen

„Klack – surrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr klick“ macht meine Polaroid SX70 alpha1 und dann heißt es warten, bangen, überraschen lassen. Auch in Zeiten von Instagram, Smartphone und digitaler Bildbearbeitung ist es nach wie vor ein „Magic Moment“ wenn das Sofortbild sich entwickelt. Es entsteht ein Unikat, eine kleine fotografische Skulptur, eine lichtempfindliche Zeitkapsel des Moments. Der Entwicklungsprozess heutiger Polaroid-Sofortbilder dauert heute ganze 10-15 Minuten (früher gab es Verfahren die in weniger als einer Minute ausentwickelt werden konnten). Genug Zeit also, um sich mal ein paar Gedanken darüber zu machen, warum das analoge Medium auch heute noch so gut in unser digitales Zeitalter passt. 

Stay Focused

Das Sofortbild führt uns nahezu automatisch hinaus aus der digitalen Bilderflut hin zu dem einzelnen besonderen Moment. Denn statt Masse besinnt man sich angesichts des stolzen pro Bild Preises auf das, was man wirklich fotografieren will. Zum Vergleich: Mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera bekomme ich an die 4000 raw-Bilder auf meine 128GB Speicherkarte. Eine Polaroidfilmkassette enthält heute acht Sofortbilder (früher: 10). Das bedeutet, wenn ich mit meiner Polaroid unterwegs bin schaue ich durchaus an die 100 Mal durch den Sucher, aber nur achtmal drücke ich tatsächlich den Auslöser.   

Von der Sofortbild- zur persönlichen Entwicklung

„An artist teaches the painting. The painting teaches him.“ (Edwin H. Land)

Edwin H. Land – Erfinder der Polaroids- wusste sein Produkt von Beginn an gut zu vermarkten. Es war mehr als eine Kamera, es war eine Revolution, es war die kreative Entfesselung und zugleich Fixierung des Moments. 

Heute sind wir es gewöhnt mittels digitaler Kameras sofort das Foto im Kontext seiner Entstehung zu betrachten – damals war diese Direktheit eine Sensation. Es ermöglichte eine Reflexion des Moments: Die Fotografie und das fotografierte Objekt vergleichend zu betrachten. In dieser Direktheit lag für den Fotografen oder Künstler (oder dem Fotografierten) die Möglichkeit direkt aus der Erfahrung zu lernen, dies lud ihn immer wieder aufs Neue zum Experimentieren mit dem Medium ein. Da der Abgleich sofort stattfindet, können unmittelbar Maßnahmen ergriffen werden um Setting, Perspektive, Motiv weiterzuentwickeln.

Und heute? Reden wir viel von agiler werden und iterativen Entstehungsprozessen und wie schwierig es ist eine solche Kultur in Unternehmen zu etablieren: explore – create – adapt.   

„Die Fotografie gibt jedem von uns die Möglichkeit der Kreativität – dies dient auch der Persönlichkeitsentfaltung“ (Isaac Asimov 1979)

Kreativität und Künstlerischer Kanon

Als ich meine ersten Polaroids mit meiner gerade ersteigerten Kamera geschossen habe erschienen nur verschwommene Geister im weißen Rahmen. Das war natürlich nicht gewollt, aber hatte in seiner Verfremdung auch einen eigenen ästhetischen Reiz. Im Grunde hat die Kamera kaum Einstellungsmöglichkeiten: Der Fokus kann ungefähr festgelegt werden, Helligkeit kann etwas nachjustiert werden. Ansonsten bleibt einem nur das Durchschauen und das Knöpfchen zum Drücken. 

Dennoch etablierte sich das Polaroid neben der Urlaubs- und Momentaufnahme auch als künstlerisches Medium. Dies nicht zuletzt auf Grund der grandiosen Strategie des Unternehmens, frühzeitig Künstler als Tester zu involvieren (das freut den UX Designer natürlich).  So wurde im Laufe der Zeit ein umfangreicher Kanon über die kreativen Möglichkeiten der Sofortbildtechnologie geschaffen. 

Das Polaroid offenbarte sich dabei zunehmend als Skulptur, denn als als fotografisches Medium. Seine Materialität und der unmittelbare, zugängliche chemikalische Entwicklungsprozess ermöglichten ein völlig neue Ausdrucksweise: zerkratzen, aufschneiden, hinterlegen, transferieren, bemalen, unterbrechen, zersetzen, bestrahlen… und immer ist am Ende der „Bilderrahmen“ gleich schon mit dabei.    

Aus diesen künstlerischen Experimenten entstanden wiederum Muster und Anleitungen für den kreativen Laien. Auf einmal konnte jeder ein „Polaroid mit doppeltem Warhol“ schießen. Das Bild-im-Bild Motiv ist dabei nur eine Inspiration, die sich aus den Polaroid-Zeiten bis ins digitale Zeitalter erhalten und weiterentwickelt hat. 

Aber das schöne am Polaroid ist, dass das Ergebnis nach wie vor nicht vollständig vorhersehbar ist. Die neuaufgelegten Filme verhalten sich meiner Erfahrung nach immer wieder anders. Ich darf mich immer wieder überraschen lassen und habe es einfach nicht immer 100% in der Hand, was am Ende aus der Klappe gerollt kommt. In diesem Loslassen vom Perfektionismus liegt für mich immer noch ein magischer Moment. In diesem Sinne: Werfen wir doch mal einen Blick auf das Bild, dass ich zu Beginn des Artikels geschossen hab…

  

Wer jetzt selbst Lust bekommen hat mit Polaroid zu experimentieren: Vom 30.03. – 31.03. organisiere ich die „Visual Coaching Days 2019“ in Karlsruhe mit. In meiner Session am Sonntag widmen wir uns dem Medium Polaroid und kreieren und verproben eigene Anleitungen zum Thema „How I would take this picture“.

Infos & Tickets unter:
https://www.eventbrite.de/e/visual-coaching-days-2019-schwerpunkt-fotocoaching-tickets-56753912480?aff=ebdssbdestsearch

 

Beobachtungen aus dem agilen Sandkasten

Basierend auf meinen Beobachtungen im agilen Umfeld stelle ich fest: Die agile Organisation gestalten wir gemeinsam, egal ob Entwickler, Produkt Manager, Support Mitarbeiter, Geschäftsführer, Sales Experte… oder Designer. Ich sehe in “agil” eine Chance die Zusammenarbeit besser zu gestalten, aber geschenkt gibt es das nicht. Es reicht nicht aus neue Methoden und Prozesse einfach einzuführen und hintereinander zu schalten. Vielmehr geht es darum sich zusammenzusetzen, zuzuhören, sich auszutauschen und gemeinsam zu lernen. Wenn ich zu UX- Workshops einlade merke ich, dass hier an einem Strang gezogen wird. Denn ohne Frage, letztendlich haben alle das Ziel ein gutes Produkt zu entwickeln, dass sich am Markt behaupten kann.

Weitere Beobachtungen aus der Perspektiven einer UX Designerin habe ich in meinem Gastbeitrag für das t2informatik Blog in schriftlicher und fotografischer Form festgehalten.

https://t2informatik.de/blog/prozesse-methoden/ux-design-im-agilen-umfeld/