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Ein Jahr Karlsruher Coaching LAB

Die Bilderschau zeigt alle Veranstaltungen des Karlsruher Coaching LABs von November 2017 bis November 2018. Deutlich wird die Methodenvielfalt mit der wir Coaching immer wieder erlebbar machen – auch für große Gruppen. Ich freue mich auf viele weitere inspirierende Momente 2019 und bin gespannt wie sich das Karlsruher Coaching LAB weiterentwickelt. Ein bißchen wehmütig bin ich auch, wenn am 06.01.2019 die Open Codes schließt, wo sich so viele Ideen entwickelt haben und ich so viele tolle Menschen getroffen habe. Aber wer weiß was nächstes Jahr so alles passiert!

Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

Methode: “Entscheidungs-Tetris” – Entscheidungsfindung mittels Visualisierung

Tagtäglich treffen wir unsere Entscheidungen, viele davon ganz unbewusst und „aus dem Bauch“ heraus. Aber anders als bei der einfachen Entscheidungsfrage „Welche Tomaten kaufe ich?“ im Supermarkt begegnen uns im beruflichen wie privaten Leben schon mal kniffligere Entscheidungsdilemmata, die uns beunruhigen, unter Druck setzen und irgendwie den Blick auf das versperren, was uns eigentlich wichtig ist. Oder mit einem Zitat von Heinz von Foerster ausgedrückt: “Nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden.“

Vor kurzem stand ich selbst mal wieder vor solch einem Entscheidungsproblem, bei dem es darum ging wie ich meine Kapazitäten auf anstehende Projekte verteile und ob ich nicht etwas abgeben sollte. Also habe ich viel mit anderen darüber geredet, viel nachgedacht, noch mehr nachgedacht und noch mehr nachgedacht – und bin zur keiner Lösung gekommen. Interessant, dass ich aus meiner Arbeit als UX Designerin eigentlich eine Menge Strategien kenne, um aus einer Flut an Informationen konkrete Design-Entscheidungen abzuleiten. Was mir also fehlte waren passende Visualisierungsformen für meine Entscheidungsfrage, um mir einen Gesamtüberblick zu beschaffen. 

Ein Tool, das ich in diesem Fall ausprobiert habe, möchte ich an dieser Stelle kurz vorstellen. Ich habe es in Anbetracht der schönen geometrischen Ausgangsform mit Ausbaumöglichkeiten zu allen Seiten kurzerhand „Entscheidungs-Tetris“ getauft. 

Der Aufbau ist ziemlich simpel: In der Mitte steht die Entscheidungsfrage, z. B. „Soll ich Projekt XY abgeben?“. Rechts und links steht die bekannte „Pro/Contra“-Abwägung. Da diese schnell auch mal in die Irre führen kann (z. B. wenn mehr Aspekte auf der Contra-Seite stehen, aber das nur Kleinigkeiten sind, die eigentlich gar nicht so ins Gewicht fallen) habe ich noch weitere Felder nach oben und unten erweitert. Das eine sind „offene Fragen“, die in meinem Kopf herumspuken und die ich gar nicht alleine klären kann, weil beispielsweise von meiner Entscheidung auch andere Personen betroffen sind. Eine weitere Ergänzung stellen die „Prinzipien/Bedingungen/ Entscheidungskriterien“ dar. Diese sind wichtig für die Einordnung oder Gewichtung der Pro/Contra-Liste, da ich hier definiere, was ich mir grundsätzlich durch meine Entscheidung erhoffe. Auf das Beispiel bezogen könnte hier eine Bedingung sein „Finanzielle Sicherheit schaffen“ oder „Genügend Freizeit für meine Hobbys haben“.

Wichtige Grundregel: Das Bild darf nach allen Seiten wachsen. Es gibt in diesem Sinne keine feste Reihenfolge in der man die Cluster bearbeitet. Das Quadratisch-Praktisch-Geometrische Format deutet es vielleicht schon an: Man kann hier wunderbar mit Post-Its an der Wand arbeiten, dann hat man die Teile beweglich, falls sich ein Contra über Nacht zum Pro verwandelt oder offene Fragen bereits gelöst sind. Fazit: Entscheidungsfindungs-Tools geben eine Übersicht über die Entscheidungsdimensionen, können je nach Fragestellung neu gewählt werden und unterstützen dabei die Perspektive zu wechseln. 

Wer neugierig auf weitere Tools geworden ist und diese gleich selber ausprobieren möchte, dem sei unser nächstes Sommerloch-Event am Donnerstag den 30.08.2018 ab 18:00 Uhr empfohlen. Anmeldung über Eventbrite: https://www.eventbrite.de/e/ja-nein-vielleicht-spater-neue-wege-entscheidungen-zu-treffen-tickets-48730455103

Wir haben Sommerloch

Geht es nur mir so oder haben noch mehr den Eindruck, dass derzeit keiner mehr über etwas anderes spricht als „die Hitze“? Freunden ist es „zu heiß“ zum Grillen, im Meeting ist es „zu heiß“ um eine Entscheidung zu treffen, zu Hause ist es „zu heiß“ um zu schlafen. Was ist denn nur aus den anderen Hypethemen geworden? Agilität, Experience oder noch präziser gefragt, was macht die AI, die „Allgemeine Intelligenz“? Eindeutige Diagnose: Wir haben Sommerloch.

Bei der ganzen Hitze kann man schnell vergessen, was für eine wunderbare Zeit der Sommer eigentlich ist. Überall scheinen nämlich die Uhren etwas langsamer zu ticken. Und während die Autobahnen und die Freibäder voll sind, gibt es ganz viele Orte in der Stadt, die man auf einmal fast für sich alleine haben kann: Das Kino, das Museum, die Sauna, die Bibliothek, das Großraumbüro (wenn viele der Kollegen im Urlaub sind)… Und es ist eine Zeit in der man sich gut und gerne auch mal wieder ganz genussvoll langweilen kann, so wie früher während der Schulzeit, als einem 6 Wochen Sommerferien wie eine Ewigkeit vorkamen.

Für alle die mit uns diese besondere Zeit feiern möchten und gleichzeitig dafür nutzen möchten, etwas neues zu lernen, haben wir die Veranstaltungsreihe „SOMMERLOCH OHNE VERBLÖDEN“ ins Leben gerufen. Die Veranstaltungsreihe gibt an drei verschiedenen Abenden Impulse für das (berufliche wie private) Leben. Nach dem Motto: Mit Spaß, Kreativität und Köpfchen gegen die Sommermüdigkeit! Für genügend Abkühlung ist ebenfalls, durch kühle Getränke und gut klimatisierte Räumlichkeiten (in unserem Denkhafen), gesorgt.

Die erste Veranstaltung findet am Donnerstag den 16.08. ab 18:00 Uhr statt. Dr. Christian Hoffstadt gibt uns an diesem Abend Einblicke in das extrem heiße Thema „Böse Argumente – Erkennen – Erleben – Eliminieren“.

Am 04.09.2018 halte ich einen Workshop zum Thema “Think inside out the timebox – Kreative Ideen in wenigen Minuten”. Wir experimentieren mit verschiedenen Kurzzeit- und Ultrakurzzeit- Kreativitätsmethoden und unterschiedlichen Materialien.

Die All-Inclusive-Tickets gibt es über Eventbrite (45€ / pro Veranstaltung):
https://www.eventbrite.de/o/dr-christian-hoffstadt-17640735763

Wir freuen uns auf euch!

Methode: Verrückte Mensch Maschine

In der Zusammenarbeit mit anderen merken wir oft am schnellsten wie wir selbst so ticken: Es gibt Projekte bei denen läuft die Zusammenarbeit wie am Schnürchen, alle Rädchen greifen gut ineinander und mit dem Ergebnis sind alle super-zufrieden – das macht Spaß, bringt einen weiter und motiviert zur Höchstleistung…

Aber sind wir mal ehrlich, eigentlich knirscht es auch in den grandiosesten  “A-Teams” ab und zu mal. Das kann mitunter sogar sehr produktiv sein! Frustrierend ist es jedoch, wenn tolle Projekte lahm gelegt werden, weil (un-)bewusste Spannungen im Team permanent Steinchen ins Getriebe werfen. Das Individuum neigt in diesem Fall häufig dazu, eine offensichtliche “Schwachstelle” im System zu identifizieren (Aus meiner Erfahrung: “Du kommst ja immer so spät, da klappt das nicht gut!”).  Was zu noch mehr geworfenen Steinchen führt. Wie heißt es da so schön: Erst einmal an die eigene Nase fassen!

Wenn wir uns bewusster machen, wie wir so ticken, wo wir gut connecten, was uns auf die Palme bringt, legen wir einen soliden Grundstein für eine offene und konstruktive Kommunikation. Aus meiner Erfahrung heraus funktioniert das besonders gut mit einer wohldosierten Portion Selbstironie. Aus diesem Grund habe ich eine Methode zusammengestellt, die sich einerseits mit den persönlichen Faktoren der Zusammenarbeit beschäftigt und andererseits ein visuelles Feedback darüber zurückspielt, über dass gerne selber geschmunzelt werden darf.

Gebrauchsanweisung

1. Betriebsanleitung für mich selbst

Im ersten Schritt schätzen sich die Teammitglieder selbst ein und verfassen eine Art Betriebsanleitung über sich selbst. Es gibt verschiedene Fragenbeispiele, die man im Internet finden kann. Wichtig ist, dass die Betriebsanleitung nicht zu überdimensioniert ausfällt und die Eigenschaften und Verhaltensweisen gut durch Schlagworte auf den Punkt gebracht werden.

Sobald jeder seine Betriebsanleitung verfasst hat, stellen sich die Mitglieder diese gegenseitig vor. Anschließend kann diese Selbstwahrnehmung noch durch die Außenwahrnehmung ergänzt werden. Dazu setzt sich immer ein Mitglied auf den sogenannten “Feedback-Thron” und drum herum berichten die anderen, welche Erfahrungen sie in der Zusammenarbeit mit der entsprechenden Person gemacht haben. Der/Die Feedbacknehmer*in macht sich Notizen und ergänzt die Punkte die er/sie aufnehmen möchte in der Betriebsanleitung, kommentiert oder rechtfertigt sich jedoch nicht laut gegenüber den Feedbackgeber*innen.

2. Bauteile entwerfen

Jeder schaut in seiner Betriebsanleitung welche Schlagwörter, Eigenschaften oder Verhaltensweisen herausstechen und sammelt diese in einer Liste. Anschließend versucht jeder seine Begriffe mit einem einfachen Symbol zu visualisieren, das neben den Begriff gezeichnet wird.

Alle “Bauteile”-Listen werden an der Wand ausgestellt, sodass jeder einen Blick darauf werfen kann. Für den weiteren Verlauf gilt: Jeder darf bei jedem “klauen” bzw. sich inspirieren lassen, wenn man sich mit dem “Bauteil” von jemand anderem identifizieren kann.

3. “Maschine” zusammenbauen

Im letzten Schritt werden die Teile zusammengefügt und unsere innere “Machine” geprototypt: Wie hängen die Dinge zusammen? Was treibt den Motor an? Was schaltet die Machine ab? Wo sind die Schnittstellen zu anderen? Wo sind die sensiblen Bereiche? Wie sind diese geschützt? Die Bauteile aus Schritt 2 können jederzeit um weitere Elemente ergänzt werden z.B. Verbindungsstücke, Schalter, Weichen…

Die “Maschinen” werden zum Abschluss ausgestellt und besprochen. Schön ist es, wenn sie auch eine Weile im Teamspace hängen bleiben können.  Da es sich bei dieser Methode immer um “Momentaufnahmen” handelt, lohnt es sich die Bilder zu verwahren und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal hervorzuholen und ggf. zu wiederholen.

 

Fazit

Ein schönes Zitat einer Teilnehmerin: “Ich hatte die Befürchtung, dass am Ende eine Maschine rauskommt. Tatsächlich war das Ergebnis aber sehr menschlich!”

Arbeitsblatt zum Download